Genossenschaftsbanken weiter auf Wachstumskurs

Kreisarbeitsgemeinschaft stellt Halbjahresbilanz vor

Die Genossenschaftsbanken im Landkreis Cloppenburg haben ein erfolgreiches erstes Halbjahr 2017 hinter sich. Die neun Institute der Kreisarbeitsgemeinschaft (dazu gehören die Volksbanken Bösel, Cloppenburg, Emstek, Essen-Cappeln, Lastrup und Lönigen, die Raiffeisenbanken Garrel und Scharrel sowie die Spar- und Darlehnskasse Friesoythe) legten sowohl bei der Kreditvergabe und bei den Geldanlagen ihrer Kunden wie auch bei der Zahl der Kunden und der Mitglieder zu.


So stieg das betreute Kundenvolumen im Vergleich zum 31. Dezember des Vorjahres um fast vier Prozent auf nun 4,7 Milliarden Euro. Wachstumstreiber war dabei mit einer Steigerung von knapp fünf Prozent auf über 2,6 Milliarden Euro die Kreditvergabe. „Hauptgrund dafür ist nach wir vor eine rege Bautätigkeit sowohl im privaten als auch im gewerblichen Sektor wie auch ein ungebrochenes Interesse am Kauf von Bestandsimmobilien“, erläutert Jürgen Fuhler, Vorstandssprecher der Kreisarbeitsgemeinschaft (KAG), die Entwicklung. Doch auch beim Anlagevolumen, das mit knapp 2,1 Milliarden Euro gut 2,7 Prozent über dem Vergleichswert liegt, verzeichneten die Banken eine Steigerung. „Das sind zum größten Teil kurzfristige Anlagen“, sagt Fuhler, „was angesichts der niedrigen Guthabenzinsen und der Hoffnung auf eine baldige Zinswende auch nicht überraschend ist.“ Mit dem wirtschaftlichen Ergebnis schließlich, das für alle Banken positiv ausfällt, insgesamt bei rund einem Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme liegt und damit den Erwartungen entspricht, könnten Mitarbeiter und Mitglieder, so Fuhler, „sehr zufrieden sein“.


Mit Blick auf die Vergleichszahlen der Branche bescheinigt der Vorstandssprecher den Genossenschaftsbanken des Landkreises für die ersten sechs Monate des Jahres ein „insgesamt überdurchschnittliches und dynamisches Wachstum.“ Für ihn werde darin wie auch im Anstieg der Kunden- (+750 auf 103.863) und Mitgliederzahlen (+277 auf 48.085) deutlich, dass die Idee einer regional verankerten und genossenschaftlich organisierten Bank auch nach über 150 Jahren nichts von ihrer Attraktivität verloren habe. „Möglicherweise“, so Fuhler, „ist diese Attraktivität seit 2007 sogar noch gewachsen. Als regionale, bodenständige Banken kommen für uns jene Geschäfte, die vor zehn Jahren zur Finanzkrise geführt haben, gar nicht in Frage. Das schafft Vertrauen. Und da wir alle ja eher kleine Geldinstitute sind, kennen wir unsere Kunden wirklich persönlich und können deswegen und auch wegen der kurzen internen Wege sehr schnell entscheiden und handeln. Das trägt sicher dazu bei, dass wir allesamt kontinuierlich wachsen.“


Gleichwohl hat die Finanzkrise auch auf die kleineren Genossenschaftsbanken Auswirkungen gehabt. Das seitdem auf einen historischen Tiefststand gesunkene Zinsniveau macht es auch ihnen schwer Geld zu verdienen, die immer strenger und detaillierter werdenden Regelungen wiederum binden immer mehr Personal und kosten damit Geld. Für Fuhler allerdings sind diese beiden Punkte kein Grund zum Jammern. „Damit muss man umgehen“, sagt er und blickt verhalten optimistisch in die Zukunft. „Angesichts der derzeitigen Inflationsrate könnte uns bald eine Zinswende ins Haus stehen, und bei der Regulierung scheint die Einsicht zu wachsen, dass man kleinere Banken anders als die ganz großen behandeln muss. Unser spannendstes Projekt derzeit ist vielmehr die Digitalisierung des Bankengeschäfts, die sich in den vergangenen Jahren enorm ausgeweitet hat und große Investitionen erfordert.“


Die Genossenschaftsbanken des Landkreises sind mit diesem Thema gleich in zweifacher Hinsicht beschäftigt. Zum einen bieten sie immer mehr elektronischen Dienstleistungen an, um den Ansprüchen und Wünschen der Kunden gerecht zu werden. „Wir sind hier ganz vorne dabei, das digitale Angebot der Genossenschaftsbanken ist dem der reinen Online-Banken mindestens ebenbürtig“, verweist Fuhler auf die Banking-Apps und Online-Angebote der Bankengruppe. „Gleichzeitig bieten wir nach wie vor ein dichtes Filialnetz und vor allem unsere persönliche Beratung an. Wenn man die Finanzinstitute in Online-Banken einerseits und Filial-Banken andererseits unterteilt, dann sind wir sozusagen zwei Banken in einer.“


Zum anderen stehen die VR-Banken des Landkreises in Sachen Digitalisierung intern vor einer Zeitenwende. „Anfang des kommenden Jahres steigen wir auf ein komplett neues IT-System um“, berichtet Fuhler. „Das ist ein Projekt, dessen Ausmaß ich mir anfangs nicht wirklich vorstellen konnte.“ Die Kunden allerdings werden davon kaum etwas mitbekommen. Sie müssen sich lediglich darauf einstellen, dass die Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker der einzelnen Banken zum Zeitpunkt der Umstellung ein paar Stunden lang nicht funktionieren. „Darauf werden die Banken ihre Kunden natürlich gesondert und mit den genauen Terminangaben hinweisen“, versichert Fuhler. „Insgesamt gehen wir alle davon aus, dass nach der Migration der Daten und Prozesse vom alten in das neue System alles reibungslos weiterlaufen wird.“